Farbverdünnung
Verdünntes Fell wird als Modefarbe verkauft und ist für sich genommen kein Defekt. Ganze Rassen sind seit jeher so gefärbt. Kritisch wird es erst, wenn die Haut nicht mitkommt.
Was verdünnt heißt
Das Dilutions-Gen hellt vorhandenes Pigment auf: Aus Schwarz wird Blaugrau, aus Braun wird Silber oder Beige. Es erzeugt keine neue Farbe, es verdünnt die vorhandene. Daher der Name.
Genetisch schreibt man das d für die verdünnende Anlage und D für die unveränderte. Ein Hund mit d/d ist sichtbar verdünnt, ein Hund mit d/D trägt die Anlage, sieht man ihm aber nicht an.
Wo es kippt
Bei manchen verdünnten Hunden bleibt das Haar nicht, wie es soll. Es wird dünn und brüchig, es fallen kahle Stellen aus, die Haut darunter ist gereizt. Das geschieht genau in den verdünnten Partien. Weiße oder unverdünnte Abzeichen am selben Tier bleiben unversehrt.
Dieses Krankheitsbild heißt Farbverdünnungsalopezie, kurz CDA. Es beginnt selten beim Welpen, sondern tritt in der Regel zwischen dem 6. und dem 24. Lebensmonat auf. Genau das macht es tückisch: Beim Kauf ist nichts zu sehen.
Heilbar ist es nicht. Behandelt wird, was die Haut beruhigt.
Nicht die Farbe ist das Problem. Sondern die Frage, ob die Haut sie trägt — und die stellt sich erst, wenn der Welpe längst verkauft ist.
Im Basisprogramm
Die Farbverdünnung ist im Basisprogramm ausdrücklich geregelt, nicht als Geschmacksfrage, sondern als Untersuchungspflicht.
Der Status wird nicht geschätzt und nicht am Fell abgelesen, sondern getestet.
Zwei Träger dürfen miteinander verpaart werden. Anders als beim Merle-Faktor ist die Trägerverpaarung hier nicht untersagt.
Untersagt. Zwei sichtbar verdünnte Tiere werden nicht miteinander verpaart.
Die betreffende Verpaarung ist untersagt, auch dann, wenn der Test vorher unauffällig war. Ein einziger betroffener Nachkomme genügt.
Diese Vorgaben stehen im Basisprogramm und gelten, sofern der rassespezifische Teil des jeweiligen Programms nichts anderes vorsieht. Rassen, deren Farbe seit jeher verdünnt ist, werden in ihrem eigenen Programmteil behandelt.
Warum die letzte Regel die wichtigste ist
Der Gentest zeigt die Anlage. Ob daraus eine kranke Haut wird, zeigt er nicht. Dafür braucht es die Tiere selbst, über Jahre, aus mehreren Würfen.
Deshalb endet die Regel nicht beim Test. Sie endet bei der Beobachtung: Tritt CDA auf, ist diese Verpaarung erledigt. Damit greift das Programm auch dort, wo die Genetik noch keine Antwort hat.
Verdünnung ist ein Übergang, kein Schalter. Dasselbe Pigment, nur weniger dicht in der Haarstruktur eingelagert: Das ist der ganze Unterschied. Und genau diese Struktur ist es, die bei CDA nachgibt.
Was auch dann noch offen bleibt
Aus einer zulässigen Verpaarung können ebenfalls verdünnt gefärbte Welpen fallen. Das ist erlaubt und erwünscht, sonst verschwände die Farbe aus der Rasse. Nur: Auch bei diesen Welpen lässt sich nicht ausschließen, dass die Haut später Probleme macht. Der Test sagt, welche Anlagen vorliegen. Er sagt nicht, wie sich ein einzelnes Tier entwickelt.
Genau deshalb hört das Programm nach der Verpaarung nicht auf: Alle Nachkommen mit verdünnten Farben sind nach 12 und nach 24 Monaten auf Fellprobleme zu kontrollieren, unabhängig davon, aus welcher Verpaarung sie stammen. Diese beiden Termine sind kein Zufall: Sie liegen genau in der Spanne, in der CDA auftritt. Zeigt sich ein Verdacht, ist die Verpaarung gesperrt, bis ein negativer Befund vorliegt.
Ein Züchter, der nach diesem Programm arbeitet, hat also nicht nur vorher geprüft. Er schaut auch nach.
Wer einen verdünnt gefärbten Welpen abgibt, sollte darüber aufklären, dass ein Restrisiko für Haut und Fell bleibt, und das im Kaufvertrag festhalten. Nicht als Absicherung gegen Sie, sondern damit Sie es wissen, bevor Sie sich entscheiden, und damit Sie in der Haut Ihres Hundes das Richtige beobachten.
Steht davon nichts im Vertrag und wurde davon auch nicht gesprochen, fehlt Ihnen diese Information nicht zufällig.
Der kürzeste Weg
Sie können einem Welpen nicht ansehen, wie seine Haut mit zwei Jahren aussieht. Niemand kann das. Sie können aber nachsehen, ob vor der Verpaarung geprüft wurde, und ob es in dieser Linie schon einen Fall gab.
Beides steckt bereits im Qualzuchtpräventionszertifikat. Sie müssen weder nach Gentests fragen noch Befunde lesen: Das Zertifikat gibt es nur für eine zulässige Verpaarung. Und eine Verpaarung, in der CDA aufgetreten ist, bleibt gesperrt.
Verdünnt ist eine Farbe, CDA ist eine Diagnose — und der Unterschied zeigt sich erst zwischen dem 6. und dem 24. Lebensmonat. Wer gerade einen blauen oder silbernen Welpen sucht, sollte das vor dem Kauf gelesen haben.